4. klinisches Semester

Fächerübergreifender Leistungsnachweis
In diesem Semester werden die Fächer Orthopädie, Anästhesie, Chirurgie und Urologie in einer gemeinsamen mündlichen Prüfung (4 Prüfer, 4 Studenten) abgeprüft. Die Prüfer, Ort und Uhrzeit werden dabei vorher bekannt gegeben, man sollte sich jedoch nicht zu sehr auf das Erscheinen der einzelnen Prüfer festlegen, da es fast immer so ist, dass letztendlich jemand Anderes in der Prüfung vor einem sitzt. Es gibt für jeden Fachbereich einen Stoffkatalog, wobei leider nicht immer sicher ist, dass die Prüfer sich auch an diesen halten. Insgesamt verläuft die Prüfung eher wie ein Gespräch, wobei die Atmosphäre meist sehr nett ist. Tut den Prüfern und euch den Gefallen und bereitet zumindest die wichtigsten Themen der einzelnen Fächer vor – dann ist es mit dem Bestehen überhaupt kein Problem.

 

Orthopädie
Die eineinhalb-stündige Vorlesung wurde meist von Professor Wirtz selbst gehalten und ist sehr empfehlenswert. Kurz vor den Prüfungswochen wurden dann noch einmal alle wichtigen Dinge in einem Repetitorium zusammengefasst. Das Blockpraktikum war früher eines der Schlechtesten – daher wurde viel verändert. Morgens um 7:00 sollte man zur Visite auf der Station sein, allerdings ist hier meistens nicht viel passiert und man ist eher um 7:30 direkt zur Frühbesprechung gegangen. Frau Dr. Kowalski hat einen Plan ausgearbeitet wie es dann weitergeht: Jeden Tag um 11:00 Uhr hatte man ein Seminar, in dem in anderthalb Stunden ein wichtiges Thema der Orthopädie besprochen wurde und man (sich zumindest gegenseitig) untersuchen konnte. Die Zeit bis 11:00 Uhr war teilweise etwas chaotisch aufgeteilt: Man wird auf die Stationen und die Ambulanzen eingeteilt und hat die Möglichkeiten hier Stationsablauf, Aufnahmen und OPs kennenzulernen. Es gibt einen Trauma- und einen Gips-Kurs der über das Skills-Lab (s. a. Artikel) angeboten wird. Über die Skills-Lab Homepage kann man sich Anfang des Semesters für die freiwilligen Kurse anmelden – Sehr zu empfehlen! Insgesamt hat sich viel geändert, perfekt durchorganisiert ist es jedoch noch nicht. Wie so häufig hängt es sehr von den eingeteilten Ärzten und dem eigenen Willen unbedingt etwas lernen zu wollen ab, was man aus dem Praktikum mitnimmt. Dennoch ist dieser Fachbereich interessant gestaltet und die Ärzte sind sehr nett. In dem Seminar von Dr. Windemuth habe ich soviel wie in der ganzen Woche gelernt. Es gibt aber noch ein bisschen Verbesserungspotential, liebe Orthopäden.

 

Anästhesie
Seitdem die Anästhesisten vor einigen Semestern einen Assistenzarzt für die Lehre freigestellt haben läuft alles prima. Sowohl das Seminar, als auch das Blockpraktikum waren gut organisiert und haben einen sehr guten Eindruck hinterlassen. In den ersten zwei Tagen bekommen die Studenten in Kleingruppenseminare die wichtigsten Themen der Anästhesie und Notfallmedizin erklärt. Durch Diskussionen von Fällen und Übungsmöglichkeiten am Simulator ist das Seminar gut und man hat die Möglichkeit Narkosen erstmal trocken zu üben (merkt euch die Medikamenten-Dosierungen!). Dies hat den Vorteil, dass einem die dümmsten Fehler nicht im OP sondern an der Puppe passieren – der Simulatorteil könnte gerne auch noch länger sein und läuft über das Skills-Lab (Hoffentlich bald in den neuen Räumlichkeiten). Im Praktikum verbringt man einen ganzen Tag auf der Intensivstation und darf in Begleitung eines Assistenzarztes in Notfallsituation viel selber machen. Die restlichen Tage im Praktikum wird man einem festen Assistenten im OP zugeteilt (was auch meistens gut klappt) und darf fünf Tage lang auch Viggos legen, Medikamente aufziehen und wenn man sich geschickt anstellt sogar intubieren. Ein großer Vorteil ist, dass man seinen Assistenten nicht jeden Tag von Neuem von seinen Fähigkeiten überzeugen muss. Fazit: Hier habt ihr ein ausgezeichnet organisiertes

 

Blockpraktikum
Wenn man sich nicht ungeschickt anstellt oder Pech mit dem betreuenden Assistenten hat kann man echt viel lernen. Die Vorlesung ist zum Teil ganz gut. Aber es gibt auch ziemlich einschläfernde Vorträge zu intensivmedizinischer Ernährung (nur als Beispiel).

Urologie
Die Urologie-Vorlesung ist eine Ringvorlesung und somit sehr dozentenabhängig. Dennoch war sie im Großen und Ganzen gut strukturiert und behandelte die prüfungsrelevanten Sachverhalte und Inhalte. Das Blockpraktikum in der Urologie ist sehr gut strukturiert. Man wir von einem Arzt in Empfang genommen, der sich dafür verantwortlich fühlt, dass man etwas sieht und auch aktiv werden kann. Im Normallfall rotiert man durch die einzelnen Bereiche: Auf der Station besteht die Möglichkeit die körperliche Untersuchung und Anamnese nochmal zu üben – danach werden die Fälle gemeinsam durchgesprochen und offene Fragen geklärt. Auch in die Ambulanz konnte man mitgehen, wo man je nach Interesse unterschiedliche Fälle genauer verfolgen konnte und sich ambulante OPs anschauen konnte. Zusätzlich bestand im Ultraschall-Raum die Möglichkeit den Schallkopf selber aufzulegen. Ein Tag wurde auch das Skillslab besucht und dort nochmal das Legen von Kathetern geübt. In fast jeder Gruppe hatten die Studierenden auch die Möglichkeit im OP mitzuhelfen oder zumindest Operationen zu sehen, bei denen viel von den Ärzten erklärt wurde. Grundsätzlich waren die Ärzte allesamt immer für Fragen offen, haben wirklich viel erklärt und auch gezeigt und den Studenten nie das Gefühl gegeben lästig zu sein. Die Urologen habe auch immer ein offenes Ohr für Kritik und Verbesserungsvorschläge. Ein sehr gutes Blockpraktikum.

Chirurgie
Mit der Chirurgie ist es wie mit der Inneren: mit einem Semester wird man dem Umfang dieses Faches einfach nicht gerecht. Dies zeigt sich vor allem an der Vorlesung, bei der viele Themen einfach viel zu kurz kommen. Jene ist jedoch Grundlage der Abschlussklausur, welche aus 30 Multiple-Choice Fragen besteht und, zusätzlich zur mündlichen Prüfung, am Semesterende stattfindet. Die Klausur ist mit dem Wissen aus den letzten Jahren gut zu schaffen, macht euch hier keinen Kopf.

Was das Blockpraktikum angeht, so besteht dieses aus drei Wochen, wobei man jede Woche auf einer anderen Station verbringt und somit durch die einzelnen Bereiche rotiert. Am Anfang der Woche bekommen die Studenten dann jeweils einen Patienten zugeteilt, der ausführlich untersucht werden soll und dessen Krankheitsgeschichte und Krankheitsbild näher in Augenschein genommen werden sollen. Der entsprechende Fall wird dann am jeweiligen Donnerstag in einem Seminar der restlichen Gruppe sowie einem Oberarzt vorgestellt, diskutiert und benotet. Ansonsten befindet man sich als Student meist auf der Station und versucht sich in den Stationsalltag einzufügen. Grundsätzlich lässt sich wohl sagen, dass dieses Praktikum (wie jedes) sehr vom jeweiligen Arzt abhängig ist. Viele geben sich wirklich extrem viel Mühe und sind sehr engagiert und für Fragen jederzeit offen. Manche Bereiche (wie z. B. die Herzchirurgen) stellen sogar einen Facharzt ab, welcher für die Studenten und die Lehre zuständig ist und dies auch motiviert tut. Leider gibt es jedoch auch viele Negativ-Beispiele, bei denen die Studenten nach Hause geschickt werden oder eher als lästiger Alltagsbestandteil betrachtet werden. Auch die Chirurgen haben einen Stoffkatalog, welcher jedoch nicht alle Themen umfasst, die dann auch tatsächlich geprüft werden. Das Vorziehen des Blockpraktikums in die Ferien bietet einige Vorteile: Man wird mehr eingebunden, kann seinen favorisierten Bereich wählen und teilweise bestand auch die Möglichkeit im OP den Chirurgen am Tisch zur Hand zu gehen.

Fazit
Der Fächerübergreifene Leistungsnachweis (FÜL) ist grundsätzlich eine gute Sache und bietet einem die Möglichkeit für das zweite Examen zu üben – denn so ähnlich werden die mündlichen Prüfungen dort stattfinden. Im Normfall erscheinen nicht die Ärzte die angekündigt waren, aber die Prüfer waren größtenteils sehr nett und ein Bestehen fast immer möglich – bitte gebt euch nicht die Blöße dort nur mit minmalstem Wissen aufzutauchen, sondern schaut, dass ihr die wichtigsten Punkte vorbereitet habt. Die Prüfung an sich läuft sehr fair ab, die Noten variierten jedoch, was auch daran liegen mag, dass es teilweise schwierig ist den Prüfer bei einer Frage in 5 Minuten davon zu überzeugen, dass man das Fach gelernt und verstanden hat. Keine Panik – die Prüfung ist auf jeden Fall machbar! Viel Spaß und viel Erfolg, denn Alles in Allem ist es, von den Praktika und Kursen her, ein nettes Semester.

QB Notfall
Viermal hat man nachmittags dieses Seminar. Man lernt Grundlegendes aus der Notfallmedizin und hat auch die Gelegenheit Fragen zu stellen. Einige Termine finden im Skills-Lab statt, wo man Advanced Life Support oder Polytrauma-Management erleben kann. Die Klausur ist mit medizinischem Allgemeinwissen gut zu bestehen. Fazit: Sinnvoller Kurs.

QB Palliativmedizin
Der QB Palliativmedizin findet seit dem letzten Semester als Blockpraktikum statt, wobei man sich nicht auf Station aufhält sondern in Gruppen im Lehrgebäude. Mit viel Engagement werden dort verschiedene Themen behandelt, wie z.B. palliative Medikamentendosierungen, vor allem zur Schmerztherapie, der Umgang mit Trauer etc. . Sehr lehrreich sind auch die Gespräche mit Schauspielpatienten, in denen „schlechte Nachrichten“ überbracht werden sollen. Außerdem gibt es jetzt auch einen Klausur in Palliativmedizin, bestehend aus 30 Fragen, davon 25 MC und 5 frei zu beantworten. Um hier problemlos zu bestehen sollte man sich die Vorlesungsthemen ansehen und auch Dosierungen lernen. Fazit: sehr gut organisierter, hilfreicher Block mit guten Dozenten.

QB Schmerztherapie
Dieser Kurs wird von den Anästhesisten geleitet und findet zweimal statt. Die Themen überschneiden sich mit denen der Palliativmediziner sehr stark. Eine Zusammenarbeit wäre wünschenswert.

CPC (Spezielle Pathologie)
Laut ÄAppO muss es einen QB „Klinisch-pathologische Konferenz“ geben. Der Kurs an der Uni Bonn hat nichts mit einer Konferenz zu tun und heißt zu Recht Spezielle Pathologie. Hier erlebt man sein drittes Semester Patho. Stoff der Klausur ist die Vorlesung, die über zwei Semester läuft. Die Folien gibt es auf ecampus (Insgesamt über 2.000 Folien in bescheidener Qualität). Die Klausur letztes Semester war mit Grundlagenwissen nicht zu bestehen – und dennoch haben fast alle bestanden. Man kann nur hoffen, dass die Evaluation genutzt wird damit sich bald was ändert: Entweder eine Klinische Konferenz oder bitteschön die Vorlesungszeit um Chirurgie oder Innere zu dehnen.

Radiologie
Im QB Bildgebende Verfahren ist die Diagnostik von Bildern das A und O. Im alle zwei Wochen stattfindenden Kurs wird euch anhand von Bildern die Diagnostik diverser Pathologien gezeigt und das Wissen beim eigenständigen Auswerten und Vorstellen von Bildern gefestigt. Dabei werdet ihr auf Sonografische, CT, MR und konventionelle Röntenbilder stoßen.

Begleitet wird der Kurs von der immer Mittwochs stattfindenden Vorlesung Radiologie Teil II, welche euch die grundlegenden Konzepte und Herangehensweisen zur Diagnostik im QB als auch spezifische Darstellungen verschiedener Krankheiten in der Bildgebung aufzeigt.

Abschließend findet im QB eine Klausur statt,  in welcher ihr, wie zu erwarten, nicht nur die Grundlagen kennen, sondern unter Anderem auch diverse Bilder zu den häufigsten Erkrankungen mit ihren klassischen Befunden erkennen müsst.

Um die Bildbefundung, die euch ja in fast jedem klinischen Fach begegnen wird ein wenig zu üben, findet ihr auf der Homepage der Radiologie hierzu ein paar Links und Lehrbuchempfehlungen.