2. klinisches Semester, oder: Bitte halten Sie ein Kurzreferat!

1. Hälfte: Allgemeinmedizin, Hygiene, Mikrobiologie/Virologie, GKU
2. Hälfte: Pharmakologie/Toxikologie, Gesprächsführung und Kommunikation, GKU

 

Allgemeinmedizin
Das Fach Allgemeinmedizin ist aus ca. 7-8 Seminaren aufgebaut, die in der ersten Hälfte des zweiten klinischen Semesters stattfinden, immer mittwochs nachmittags. Am Ende des Semesters schreibt ihr dann eine Klausur über die besprochenen Themen. Bei der Klausur handelt es sich um eine eKlausur im HRZ, die aus Multiple Choice- sowie Multiple Select- und Zuordnungsaufgaben besteht. Ich kann euch aber versichern, dass die Klausur sehr fair ist und die Allgemeinmediziner auch währenddessen vor allem bei technischen Problemen weiterhelfen. Die Klausur ist so konzipiert, dass man maximal 100 Punkte erreichen kann. Nach üblicher Prozentrechnung erreicht man dann seine entsprechende Note, z.B. mit über 80 % hat man eine 2. Man hat für die Bearbeitung der Klausur eine Stunde Zeit, was wirklich mehr als genug ist, denn die meisten Studenten sind nach einer halben Stunde fertig. Im Anschluss stellen die Allgemeinmediziner die Ergebnisse zeitnah zu einem festgelegten Termin online. Zur Vorbereitung eignen sich die Seminarfolien auf eCampus und vor allem die zusätzlich eine Woche vor der Klausur angebotene Wiederholungsvorlesung, in der auf alle klausurrelevanten Themen intensiv eingegangen wird. Was das Seminar angeht, so werden die wichtigsten allgemeinmedizinischen Aspekte durchgesprochen, wobei sich manche Themen von Semester zu Semester ändern. Kontinuierlich werden Harnwegsinfekte, metabolisches Syndrom, Bauch- und Rückenschmerzen, Rolle des Allgemeinmediziners, Sterbehilfe, Impfungen, Fieberbeurteilung und noch einige andere Themen behandelt. Alle Allgemeinmediziner geben sich viel Mühe, die 1,5 Stunden pro Woche so interessant wie möglich zu gestalten und lockern den Unterricht mit praktischen Übungen auf. Alles in allem herrscht in den mittelgroßen Gruppen von ungefähr 20 Personen ein angenehmes Klima, bei dem interessanter Stoff behandelt wird.

 

Hygiene
Das Fach Hygiene findet zwei Mal pro Woche als Seminar statt, wobei zwei der Seminartermine auch als Praktika dienen, in denen ihr das Katheterlegen sowie das Blutabnehmen an einer Puppe lernt. In der Hygiene werden Themen wie Hygienemaßnahmen in Krankenhäusern, Trinkwasserkontrolle, Reisemedizin und vieles mehr besprochen, was meistens sehr interessant ist, da man als frischer Kliniker auf diesem Gebiet noch nicht allzu bewandert ist. All diese Themen werden euch in Referaten von euren Kommilitonen präsentiert, die dann vom Seminarleiter benotet werden. Die Referate sollten ungefähr 15 Minuten lang sein und eine adäquate Vorbereitung bringt allen Teilnehmern des Kurses etwas, denn schließlich schreibt ihr am Ende des Kurses eine Klausur darüber. Allerdings ist zu erwähnen, dass Fülle und Länge des Referats auch vom Kursleiter abhängig sind. Also hört auf das, was euch zu Beginn von ihm oder ihr dazu gesagt wird. Das Klima im Kurs ist sehr angenehm gehalten und die Seminarleiter ergänzen die Themen mit sinnvollen Kommentaren. Außerdem wird euch eine Vorlesung angeboten, die ihr besuchen könnt, aber nicht müsst. Die Klausur (Multiple-Choice) ist sehr fair gehalten, mit gesundem Menschenverstand, Vorbereitung anhand der Handouts und Kreuzen der Altfragen, waren die Ergebnisse dementsprechend gut. Aus der Klausurnote und der Seminarnote ergibt sich eine Gesamtnote, die wieder in den großen Schein Hygiene/Mikrobiologie/Virologie einfließt. Letztendlich ist die Hygiene ein sehr interessantes und von klinischer Relevanz primär oft unterschätztes Fach, das ihr alle erfolgreich abschließen werdet.

 

Mikrobiologie/Virologie
Diese beiden Fächer nehmen in der ersten Hälfte des Semesters die meiste Zeit in Anspruch und stellen auch die größte Hürde dar. Die Mikrobiologie umfasst die Bereiche Bakteriologie und Parasitologie, die Virologie folgt im Anschluss an diese beiden Teilkurse. Montag bis Donnerstag seid ihr 90 Minuten im „Mibi“-Labor und experimentiert mit Bakterien, Pilzen, Parasiten und Viren herum. Außerdem wird jeden Mittag eine Vorlesung angeboten, die sehr zu empfehlen ist, da sie einerseits auf die Praktika vorbereitet und andererseits die klausurrelevanten Themen behandelt. Die Kursleiter sind alle sehr bemüht und bereiten euch gut auf die Versuche sowie auf die abschließende Klausur vor. Zwar fragt man sich bei manchen Versuchen, ob das wirklich so gesund für einen selbst ist, aber meist siegt das Interesse gegenüber dem Respekt. In der Bakteriologie färbt ihr Kolonien, beimpft Agarplatten und mikroskopiert eure Fundstücke, in der Virologie wird das Praktikum auf ein Minimum heruntergefahren und eine Art Seminar behandelt die grundlegenden Aspekte des Faches. In diesem Fach müsst ihr sowohl eine Klausur als auch eine mündliche Prüfung bestehen, wobei die schriftliche Überprüfung (Multiple-Choice) der Mikrobiologie und der Virologie getrennt erfolgen. Die mündliche Überprüfung fand bei uns vor der Klausur statt und beinhaltet die Bakteriologie als festen Bestandteil plus entweder Virologie oder Parasitologie. Die Prüfer werden euch nicht vorher bekannt gegeben, allerdings spielt es keine allzu große Rolle, da die Prüfungen meistens sehr fair gestaltet sind und die Prüfer euch nicht durchfallen lassen möchten. In der Bakteriologie und in der Parasitologie müsst ihr auch mikroskopieren und euch anschließend Histo-/Physikums-like zu den Präparaten äußern. Die Virologen klopfen lediglich den besprochenen Stoff im Frage-Antwort-Spiel ab. Der Kurs ist insgesamt sehr interessant und gut gestaltet, die Prüfungen sind meist fair und beide Lager (Bakteriologie und Virologie) geben sich in ihrer Lehre richtig Mühe. Was kaum zu verbergen ist, ist die gescheiterte Ehe dieser beiden Fächer, da die Virologen gerne mehr Zeit für die Lehre hätten und ihr Fach nicht als Teil der Mikrobiologie sehen. Dies führt automatisch zu mehr oder weniger ausartenden Differenzen, die euch nicht verborgen bleiben. Lasst euch aber davon nicht beunruhigen, letztendlich habt ihr alle (spätestens in der mündlichen Nachprüfung) den Schein und darüber hinaus auch noch viel gelernt!

 

Pharmakologie/Toxikologie
Die Pharmakologie hat den Ruf, sehr schwer zu sein und einigen Studenten Probleme zu bereiten. Mittlerweile hat sich dies aber relativiert, da zum Kurs ein allumfassendes Skript ausgeteilt wird, das sämtliche Folien zu den Seminaren und Blocks enthält und somit sehr hilfreich ist. Wie im letzten Satz kurz erwähnt, besteht der Kurs aus einem Block A, einem Block B, Seminaren und einer ungefähr einmal pro Woche stattfindenden Vorlesung. Jeweils nach Block A und B wird eine Klausur geschrieben, die den Block selber und die bis dahin behandelten Seminare abklopft. Die Klausuren bestehen aus je 22 Fragen, wobei es für jede richtige Antwort 2 Punkte gibt, so dass man insgesamt maximal 88 Punkte in den Klausuren holen kann. Zusätzlich hält jeder im Seminar ein Referat über ein Fallbeispiel, für das man zusätzlich max. 12 Punkte erhalten und somit insgesamt auf 100 Punkte kommen kann. Wer also z.B. 90 und mehr Punkte erlangt, bekommt die Zensur „sehr gut“. Während die Blocks das Essenzielle der Pharmakologie wie z.B. Blutdrucksenker, Antiarrhythmika, Analgetika, Antidepressiva und Narkotika behandeln, werden in den Seminaren bestimmte Schwerpunkte auf andere relevante Themen gesetzt, wie z.B. die Themen Antibiotika, Antidiabetika, Schilddrüsenhormone etc. In der nicht als Pflichtveranstaltung geltenden Vorlesung werden gesonderte Themen, wie z.B. Osteoporose und Abhängigkeit bearbeitet. Die Vorlesung jeweils vor den Klausuren dient als Repetitorium und ist sehr empfehlenswert, da hier schon einmal der ein oder andere gute Tipp für die Klausur gegeben wird. Insgesamt ist dieses Fach perfekt durchorganisiert und die Themen sind interessant und absolut medizinisch relevant. Dadurch, dass jeden Tag ein Block + Seminare (montags bis donnerstags 8:30-12:00h) stattfinden, lernt ihr das Fach richtig gut und die Klausuren sollten mit entsprechender Vorbereitung kein Problem sein. Für die Vorbereitung sind die Altfragesammlung und das oben erwähnte Skript zu empfehlen. Lasst euch also von dem früheren Ruf dieses sehr schönen Faches nicht einschüchtern, keiner von den Pharmakologen will euch durchfallen lassen und nach dem Abschluss seid ihr ziemliche Pharma-Experten!

 

Gesprächsführung & Kommunikation
Dieses Fach findet neben der Pharmakologie in der zweiten Semesterhälfte statt. Hier lernt ihr, wie ihr am besten ein Arzt-Patienten-Gespräch anzugehen habt und welche Dinge ihr beachten oder vermeiden müsst. Ihr übt all dies mit Hilfe von Rollenspielen, in denen euch ein Demo-Patient gegenübersitzt (Schauspieler aus der Psychologie). Die meisten dieser Schauspieler sind wirklich gut und schaffen es, eine möglichst realistische Gesprächssituation zu schaffen. Dies stellt eine interessante und abwechslungsreiche Art der Lehre dar, die euch einen ersten Eindruck eures späteren Berufslebens vermitteln wird. Je nach Termin werden unterschiedliche Themen besprochen, von Alkoholismus über die Mitteilung einer infausten Diagnose bis hin zu sexueller Dysfunktion. Am Anfang eines Termins gibt es noch eine ganz kurze Einführung in die Thematik, dies wird aber bewusst sehr schnell abgehandelt, damit die Zeit für die Rollenspiele bleibt. Die Themen sind sehr vielseitig gewählt und die Atmosphäre wird durch ausgeprägte Feedback-Runden, in denen ihr euch gegenseitig bewertet, aufgelockert. Moderiert wird der Kurs von einer Psychologin, die euch ebenfalls ein Feedback und ggf. Ratschläge mit auf den Weg geben wird. Es lohnt sich wirklich, sich gewisse Gesprächstaktiken anzueignen und sich vor dem eigenen Rollenspiel mit dem Skript zu befassen. Eine Benotung gibt es in diesem Fach nicht, der Fokus liegt also wirklich nur auf einer persönlichen Vorbereitung auf die Tätigkeit als Arzt, weshalb man von diesem Kurs nur profitieren kann.

 

Vorlesung Radiologie Teil I, Grundlagen
Die Vorlesung Radiologie Teil I bietet euch eine Einführung in die Radiologie bereits am Anfang eurer Klinikzeit. Über die Grundlagen der verschiedenen radiologischen Bildgebungen von Sonografie bis MRT bekommt ihr einen ersten Einblick in die Herangehensweise der Bildbetrachtung. Auch wenn die Prüfung Radiologie erst im vierten klinischen Semester stattfindet, ist es durchaus nützlich, gewisse Radio-Grundkenntnisse in die anderen klinischen Fächer mitzubringen; außerdem werden die hier vermittelten Grundlagen im vierten Semester vorausgesetzt und dort im Kurs nicht wiederholt! Obwohl die Vorlesung keine Pflichtveranstaltung ist kann sich eine Teilnahme daher durchaus lohnen.

 

GKU

Wie im ersten klinischen Semester findet auch im zweiten jeden Freitag der Grundkurs klinischer Untersuchungen statt. In diesem Semester stehen diverse chirurgische Fächer (Allgemeinchirurgie, Herzchirurgie, Orthopädie, MKG), Pädiatrie, Allgemeinmedizin, Urologie, Gynäkologie, HNO und Psychiatrie auf dem Stundenplan. Die Qualität der einzelnen Fächer ist wieder sehr abhängig vom Dozenten, wir hatten aber sehr oft die Möglichkeit (vor allem in der Chirurgie), die besprochenen Untersuchungsmethoden direkt am Patienten anzuwenden, was eine tolle Gelegenheit und Vorbereitung auf Famulaturen und die mündlich praktische OSCE-Prüfung am Ende von 2 Semestern GKU ist.